Ein Sommernachtstraum

Aus Odysseetheater
Demetrius und Hermia
William Shakespeare
2004
Einladung Aspang / Hochegg
Einladung Aspang / Hochegg

Personen

PERSONEN
Theseus, Herzog von Athen
Walter Vogl
Egeus, Vater der Hermia Thomas Schürer-Waldheim
Lysander } Liebhaber der Hermia Leif-Börge Struck
Demetrius Wolfgang Peter
Philostrat, Aufseher der Lustbarkeiten am Hofe des Theseus Erich Schmalz
Squenz, der Zimmermann (Prolog) Johann Potakowskyj
Schnock, der Schreiner (Löwe) Andreas Mohshach
Zettel, der Weber (Pyramus) Ernst Horvath
Flaut, der Bälgenflicker (Thisbe) Brigitte Zwick
Schnauz, der Kesselflicker (Wand) Armelle Hammoumi
Schlucker, der Schneider (Mondschein) Manfred Seitinger
Hippolyta, Königin der Amazonen, mit Theseus verlobt Susanne Hansalik
Hermia, Tochter des Egeus, in Lysander verliebt Maria Reisinger
Helena, in Demetrius verliebt Margherita Ehart
Oberon, König der Elfen Josef Unger
Titania, Königin der Elfen Elisabeth Leeb
Droll, ein Elf Gerda Kohmaier
Bohnenblüte, Spinnweb, Motte und Senfsamen, Elfen Anna Gross
Sabine Eder-Smigura
Armelle Hammoumi
Inge Lobenschuß
Tamara Lobenschuß
Andre Elfen, im Gefolge des Königs und der Königin Inge Lobenschuß
Tamara Lobenschuß
Dominik Eder-Smigura
Sonja Schürer-Waldheim
Simon Schürer-Waldheim
Erika Weithofer
Marianne Weithofer
Monika Weithofer
Karin Jäger
Helene Jäger
Julia Jäger
Szene: Athen und ein nahegelegener Wald
Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)

Ouvertüre op.21 für Orchester (1826)
Bühnenmusik op.61 für zwei Soprane, Frauenchor und Orchester (1843)

gespielt von:
Komorní filharmonie Vysocina (Vlastimila Navrkalová Direktorin )
Regie: Wolfgang Peter

Inhalt

Elfenreigen

Der Feenkönig Oberon und seine Gattin zürnen einander. Sie leben voneinander getrennt, aber doch in ein und demselben Wald in der Nähe von Athen. In diesen Wald kommen zwei Liebespaare: Helena, die den Demetrius, Demetrius, der die Hermia, Hermia, die den Lysander und Lysander, der die Hermia liebt, aber von Hermias Vater Egeus nicht akzeptiert wird, da er sich Demetrius als Schwiegersohn wünscht. Oberon erbarmt sich der Liebenden und bringt durch seinen Diener Puck mittels eines Zaubersaftes, der bewirkt, dass man sich in das erste Wesen verliebt, das man erblickt, alles ins rechte Lot.

Währenddessen soll am Hofe von Athen die Hochzeit des Theseus mit Hippolyta gefeiert werden. Der Handwerker Zettel kommt mit seinen Handwerksgesellen in den Wald, um ein Festspiel einzustudieren, das bei der Hochzeitsfeier aufgeführt werden soll.

Puck vertreibt die Handwerker. Oberon benützt aber den einfältigen Zettel, um seiner Gemahlin einen Streich zu spielen. Er lässt auf Titanias Augen von dem Liebeszaubersaft tröpfeln, und so hält die Feenkönigin den durch einen Zauber mit einem Eselskopf versehenen Zettel für einen Liebesgott. Schließlich löst Oberons Lilienstab alle Verwicklungen und Zaubereien. Theseus' Hochzeit wird gefeiert, die Handwerker führen ihre groteske Tragikomödie von Pyramus und Thisbe auf. Demetrius erhält Helena, Hermia den Lysander und Oberon selbst feiert mit Titania seine Versöhnung.

Hintergrund

Oberon und Titania

Unbestritten ist Shakespeares „Sommernachtstraum“ das wohl genialste Festspiel der Weltliteratur. Shakespeare hat dabei auf bekannte Elemente zurückgegriffen, aber er arbeitete, was für ihn sehr ungewöhnlich ist, nicht nach einer unmittelbaren literarischen Vorlage – Handlungen frei zu erfinden war nicht seine Sache. Nur den „Sturm“ und „Liebes Leid und Lust“ gestaltete er ähnlich frei aus seiner schöpferischen Phantasie. Im „Sommernachtstraum“ werden vier sehr unterschiedliche Lebenswelten meisterhaft zu einem lebendigen Ganzen verwoben, dessen innere Harmonie sich nicht nur in den kunstvoll ineinander verschlungenen Handlungsfäden, sondern vor allem auch in der einzigartigen leichtfließenden Sprachmelodie offenbart, die nicht zufällig viele bedeutende Komponisten zu einer musikalischen Interpretation des Werkes angeregt hat.

Die Rahmenhandlung bildet die Hochzeit des Theseus und der Hippolyta, beide fest geprägte Gestalten der längst im Dämmerlicht der Vergangenheit hingeschwundenen Antike. Zeitloser nehmen sich die beiden Liebespaare aus. Formal sind auch sie Bürger des antiken Athen, doch ihrem inneren Wesen nach sind sie keinem klar umrissenen Ort und keiner bestimmten Zeit zuzurechnen – ihre wahre Heimat ist die Welt der Liebe in ihren mannigfaltigsten seelischen Schattierungen. Sie werden in ihrer historischen und geographischen Ungebundenheit nur noch von den Elfen überflügelt, die ihr Dasein überall und jederzeit im rhythmisch in sich wiederkehrenden Zeitenstrom als dienstbare Geister der Natur, aber auch als heimliche Genossen der tiefer verborgenen menschlichen Seelenregungen zauberhaft verhüllen. Sehr handfest und ganz der Gegenwart Shakespeares angehörig, geben die Handwerksgesellen der leichtfüßigen Handlung den nötigen tragenden Untergrund.

Welches Fest Shakespeare den äußeren Anlass für seine Dichtung bot, konnte bis heute nicht sicher nachgewiesen werden. Vielleicht war es die Hochzeit des Grafen von Derby, die am 24. Januar 1595 stattfand, oder die von Sir Thomas Heneage am 2. Mai 1594. Fest steht nur, dass der „Sommernachtstraum“ zwischen 1594 und 1595 entstanden ist. Es steht, als reifstes seiner heiteren Stücke, zwischen den drei Erstlingskomödien, den ,,Irrungen", den ,,Beiden Veronesern" und ,,Verlorene Liebesmüh", einerseits und dem ,,Kaufmann von Venedig" anderseits. Shakespeare studierte zu dieser Zeit eifrig Chaucers Erzählungen und für seinen „Sommernachtstraum“ ging ihm wohl die Geschichte von ,, Palamon und Arcitas" nicht aus Sinn, die Chaucer seinen Ritter erzählen lässt. Sie war schon früher dramatisch umgesetzt worden in einem alten Lustspiel von 1566, und fast gleichzeitig mit dem ,,Sommernachtstraum", im September 1594, hatte die Admiralstruppe ein Stück selben Inhalts inszeniert. Chaucer schildert die Hochzeit des Theseus, des Herzogs von Athen, mit der Amazonenfürstin Hippolyta. Weiter erzählt er von zwei Vettern, die sich beide an einem Maimorgen in dieselbe edle Dame, die Schwester der Hippolyta, verlieben, wodurch ihre Freundschaft in tödlichen Hass verwandelt wird. Theseus mit seiner Gemahlin und einer großen Jagdgesellschaft zieht am Morgen in den grünen Wald hinaus, um nach altem Brauch den anbrechenden Mai zu feiern. Dort trifft er die beiden Verliebten im grimmigen Streit und ordnet einen Zweikampf der beiden an, der die Sache entscheiden soll.

Für seine Schilderung der Elfenwelt konnte Shakespeare auf den zu seiner Zeit im Volk noch weit verbreiteten Glauben an diese wundersamen Wesen rechnen. In der Nacht vor allem, so empfand man, in den manchmal beseligenden, oft auch bedrückenden Träumen, nähern sie sich dem Menschen. Dann erschienen sie als nächtliche kleine Wesen, dem Menschen bald freundlich gestimmt, wie die Heinzelmännchen oder Robin Goodfellows, bald boshaft wie die Irrwische, die den Wanderer zu seinem Verderben in die Sümpfe locken. Längst schon sind sie unserem Bewusstsein entschwunden, doch Shakespeare hat ihnen ein unauslöschliches Denkmal gesetzt, ein Merkzeichen für künftige Zeiten, in denen sie vielleicht wieder zu den Menschen sprechen werden, wenn unsere Herzen weniger von selbstgerechtem Eigendünkel befangen sind. Wie dem auch sei, unsere Vorstellungen von der Feen- und Elfenwelt, sind weitgehend von Shakespeares Darstellung geprägt. Noch im Mittelalter hatte man an Oberons Stelle Pluto und seine Gemahlin Proserpina über das Elfenreich gesetzt. Auch in der Renaissance erkannte man neben dem König eine Königin der Elfen an, aber ihr Name blieb unbestimmt. In ,,Romeo und Julia" erzählt Shakespeare von der unfasslich zarten Königin Mab. Nun gibt er ihr den Namen Titania, den er von Ovid kannte. Dort ist Titania eine Nymphe der Diana, aber das hat Shakespeare nicht weiter berührt – er geht sehr ungezwungen mit der mythologischen Vorlage um. Das ganz menschlich empfundene Verhältnis des Königs zur Königin endlich ist ganz frei von Shakespeare ersonnen.

Die Geschichte von „Pyramus und Thisbe“ wurde Shakespeare wieder durch das Studium Chaucers nahegelegt, der sie in seine ,,Legende von guten Frauen" einflicht. Shakespeare kannte sie wohl auch aus Ovids ,,Metamorphosen". Dass sich Titania in den eselsköpfigen Zettel verliebt, mag auf den vielgelesenen Roman des Apuleius vom ,,Goldenen Esel" zurückgehen. Nur oberflächlich ist der Eselskopf das allbekannte Symbol für eine vielbelächelte Dummheit. Tiefer betrachtet, ist er das Zeichen für das inspirierte philosophische Wissen. Die mächtigen Eselsohren deuten auf ein erweitertes, auf ein höheres, geistiges Hören, dem sich die Sprache der in der Welt waltenden Weisheit offenbart.

Diese Sphäre des nicht sinnlich, sondern nur tief innerlich seelisch empfundenen Tönens mag auch die Komponisten zu ihren Vertonungen des Werkes angeregt haben. Henry Purcell hat eine Bearbeitung Bettertons in Noten gesetzt. Im deutschen Sprachraum wird der „Sommernachtstraum“ zumeist mit der Musik Mendelssohns untermalt. Dass uns nicht nur ein harmlos kindlicher Feenreigen, sondern auch ein erschreckendes Maß menschlicher Verblendung aus Shakespeares Worten entgegenklingt, haben erst die Expressionisten so recht entdeckt. Carl Orff hat durch seine musikalische Installation der Schlegelschen Übersetzung gerade diese Aspekte dramatisch herausgearbeitet. Die von ihm vertonte Fassung wurde 1952 im Landestheater Darmstadt unter der Regie von Rudolf Sellner uraufgeführt.

Nichtsdestotrotz – oder vielleicht gerade deshalb – bietet uns der „Sommernachtstraum“ eine reichliche, gehaltvolle und doch leicht verdauliche Seelennahrung, die gesundend unser tiefstes Seelenwesen ergreift und mit den schrill aufreizenden, aber auch sanft harmonisierenden Kräften, welche die lebendige Natur im wiederkehrenden Wechselschlag der Zeiten durchströmen, kaum bewusst, aber um so heilsamer versöhnt. Wie kaum ein anderes Stück, verlangt der „Sommernachtstraum“ daher, unter freiem Himmel, zwischen den Bäumen, beflügelt vom leisen Hauch des Windes, inmitten der Natur gespielt zu werden und kommt darum ohne Zweifel auf einer Naturbühne am besten zur Geltung.

Bühnenmusik

Ouvertüre op.21 für Orchester (1826)
Bühnenmusik op.61 für zwei Soprane, Frauenchor und Orchester (1843)

Komorní filharmonie Vysocina (Vlastimila Navrkalová Direktorin )
Ouvertüre. Allegro di molto
Ouvertüre
Scherzo. Allegro vivace 2.Aufzug / 1.Szene
Scherzo
Elfenmarsch / Marche des Elfes. Allegro vivace 2.Aufzug / 1.Szene
Elfenmarsch
Lied mit Chor "Bunte Schlangen, zweigezüngt!" Allegro ma non troppo 2.Aufzug / 2.Szene
Bunte Schlangen, zweigezüngt!
Intermezzo. Allegro appassionato nach dem 2.Akt
Intermezzo
Notturno. Con moto tranquillo nach dem 3.Akt
Notturno
Hochzeitsmarsch / Marche nupitale. Allegro vivace vor dem 5.Akt
Hochzeitsmarsch
Fanfare. Allegro comodo 4.Aufzug / 1.Szene
Fanfare
Marcia funebre. Andante comodo 5.Akt
Marcia funebre
Ein Tanz von Rüppeln / Danse Bergomasque. Allegro di molto 5.Akt
Ein Tanz von Rüppeln / Danse Bergomasque
Finale "Bei des Feuers mattem Flimmern". Allegro di molto 5.Akt
Finale "Bei des Feuers mattem Flimmern"
Glockenschläge
Glockenschläge